Stromausfall im Winter, Hochwasser, Orkan,large-scale Ausfall der Wasserversorgung – die Szenarien, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz realistisch sind, haben eines gemeinsam: Sie dauern typischerweise drei Tage, bevor staatliche Strukturen greifen oder die Infrastruktur repariert ist. Genau deshalb lautet die offizielle Empfehlung von BBK, ORF und der Schweizer Bevölkerungsschutz: 72 Stunden Eigenversorgung für jeden Haushalt. Diese Liste führt dich in sechs Schritten dorthin – mit konkreten Mengen, realistischen Budgets und ohne Bunker-Mentalität.
Warum 72 Stunden die magische Zahl sind
Die Geschichte zeigt ein Muster: Beim Münchner Stromausfall 2019, bei den Flutkatastrophen im Ahrtal 2021, nach schweren Winterstürmen in Österreich – die kritische Phase, in der Versorgung und Information zusammenbrachen, lag zwischen 24 und 72 Stunden. Danach richteten Behörden Notunterkünfte ein, Verteilungsstellen arbeiteten, Netzbetreiber hatten Erste-Hilfe-Leistungen wiederhergestellt. Wer 72 Stunden zu Hause überbrücken kann, kommt in fast jedem Szenario ohne fremde Hilfe durch. Der Aufwand dafür ist überschaubar: 150–300 € und ein paar Einkäufe, die du ohnehin tätigst. Der erste Schritt ist ein Blick auf die Prepping-Grundlagen – danach folgt diese Liste.
Schritt 1: Wasser (Budget: 30–60 €)
Ohne Wasser überlebt der Mensch drei Tage, ohne Essen Wochen. Deshalb kommt Wasser zuerst.
- Menge: 3 Liter pro Person und Tag × 3 Tage = 9 Liter pro Person Minimum, besser 10–12 Liter für Hygiene-Puffer. Ein vierköpfiger Haushalt: rund 40 Liter.
- Form: Packung handelsübliches Mineralwasser (PET, 12×1,5 L) plus ein oder zwei Wasserkanister für Leitungswasser-Reserve.
- Ergänzung: Ein kleiner Wasserfilter oder Aufbereitungstabletten, falls der Ausfall länger dauert. Details: Wasseraufbereitung im Vergleich.
- Versteckter Bonus: Warmwasserspeicher und Spülkasten enthalten zusätzlich 80–150 Liter Brauchwasser – wissenswert, falls es eng wird.
Schritt 2: Essen (Budget: 40–80 €)
Drei Tage ohne Strom heißt: Kühlschrank und Gefrierfach sind nach 4–24 Stunden Geschichte. Was bleibt, ist Vorrat, der ohne Kühlung und mit minimalem Kochaufwand funktioniert:
- 9 Mahlzeiten pro Person (3 Tage × 3), die ohne Kühlung haltbar sind: Konserven (Bohnen, Fisch, Ravioli), Vollkornbrot, Knäckebrot, Nüsse, Trockenfrüchte, Müsliriegel, Dosenwurst, Hartkäse.
- Kochmöglichkeit: Campingkocher mit 1–2 Gaskartuschen oder Esbit-Kocher – auch für heiße Suppe und Kaffee im kalten Winter. In geschlossenen Räumen nur mit Fensterlöffung nutzen!
- Geschirr-Basis: Ein Topf, Besteck, eine Dosenöffner (manuell!), Küchenrolle, Müllbeutel.
- Komfort-Regel: Was du im Alltag isst, isst du auch im Notfall. Nichts Neues ausprobieren – Stress plus unbekanntes Essen ist Magen-Darm-Zeugnis vermeidbar.
Schritt 3: Licht & Energie (Budget: 30–60 €)
Blackout bedeutet: 12–16 Stunden Dunkelheit pro Tag im Winter. Ohne Licht wird jede Wohnung zur Gefahrenzone.
- Stirnlampe pro Person (freie Hände!) – Details im Stirnlampen-Test.
- Kerzen und Teelichte (mit feuersicherer Unterlage), Knicklichter für Kinderzimmer (ohne Brandgefahr).
- Energiequelle: Solar-Powerbank oder Kurbelradio mit Powerbank-Funktion für Handy und Lampen.
- Batterievorrat: AAA, AA, D in Originalverpackung, 5–10 Jahre haltbar, getrennt von Geräten gelagert.
- Fallback: Ein batteriebetriebener Ersatzlicht-Plan pro Person – wenn die Hauptlampe fällt, kennt jeder seinen Plan B.
Schritt 4: Information (Budget: 30–80 €)
Der am meisten unterschätzte Punkt. Ohne Information wird aus Vorsorge Panik, und Gerüchte machen gefährliche Entscheidungen.
- Kurbelradio mit UKW (und idealerweise AM) – der BBK-Klassiker. Empfehlungen im Notfallradio-Test.
- Frequenzliste der regionalen Programme am Radio notiert (im Normalzustand recherchieren, nicht im Blackout).
- Kommunikationsplan: Ausweich-Treffpunkt, Notfallkontakt außerhalb der Region, Vereinbarung „nicht anrufen, sondern SMS schreiben“ (SMS braucht weniger Netz). Mehr dazu: Kommunikation ohne Mobilfunk.
- Ladestatus-Disziplin: Im Ernstfall Handys auf Sparmodus, nur noch SMS, ein Gerät als „Empfangs-Handy“ reserviert.
Schritt 5: Wärme & Hygiene (Budget: 40–80 €)
Ohne Heizungspumpe und elektrische Zirkulation kühlt eine Wohnung im Winter um mehrere Grad pro Tag ab. Gleichzeitig fallen Warmwasser und teils Toiletten aus.
- Wärme: Decken und Schlafsäcke pro Person, Rettungsdecken und Biwaksäcke, Wärmepads, Mütze und dicke Socken auch indoors. Ein Raum als „Warmraum“ ausgewählt (klein, innenliegend),其余 abgeschlossen.
- Hygiene: Feuchttücher, Handdesinfektion, Toilettenschüssel mit Müllbeuteln und Saugmaterial (Katzenstreu, Kleenex) für den Fall, dass die Spülung ohne Wasserstrom nichts spült.
- Erste Hilfe: Verbandsmaterial, Desinfektion, Schmerzmittel, persönliche Medikamente für 3–5 Tage. Details im Erste-Hilfe-Set-Guide.
- Werkzeug: Multitool, Klebeband, Taschenmesser (Vergleich im Taschenmesser-Guide), Taschenlampe als Arbeitslicht.
Schritt 6: Dokumente & Plan (Budget: 0–20 €)
Der Punkt, der nichts kostet und im Nachhinein unbezahlbar ist:
- Notfallordner (wasserdichte Hülle): Ausweiskopien, Impfausweise, Versicherungspolicen, Eigentumsnachweise, ärztliche Verordnungen, Kontaktdaten.
- Digital-Backup: Verschlüsselter USB-Stick oder verschlüsselter Cloud-Ordner mit denselben Dokumenten.
- Bargeld: 50–100 € in kleinen Scheinen (Kartenterminals brauchen Strom und Netz).
- Familienplan: Ein Blatt mit Treffpunkten, Notfallkontakten, Lagerort der Vorräte – ausgedruckt, am Kühlschrank oder im Notfallordner. Jedes Familienmitglied kennt den Plan.
- Auto-Erweiterung: Ein Grundkit im Fahrzeug für den Fall, dass du unterwegs bist – Vorlage im Winter-Auto-Notfallkit.
Die komplette Checkliste zum Abhaken
| Kategorie | Posten | Menge (2 Personen) | ✓ |
|---|---|---|---|
| Wasser | Mineralwasser PET | 18–24 L | ☐ |
| Wasser | Wasserkanister | 1–2 × 10–22 L | ☐ |
| Wasser | Filter/Tabletten | 1 Set | ☐ |
| Essen | Konserven & Vorrat | 18 Mahlzeiten | ☐ |
| Essen | Campingkocher + Gas | 1 + 2 Kartuschen | ☐ |
| Licht | Stirnlampe | 1/Person + Reserve | ☐ |
| Licht | Kerzen + Teelichte | 10–20 Stück | ☐ |
| Energie | Powerbank / Kurbelgerät | 1 | ☐ |
| Energie | Batterien AA/AAA/D | je 8–12 | ☐ |
| Info | Kurbelradio | 1 | ☐ |
| Info | Frequenzliste + Plan | 1 Blatt | ☐ |
| Wärme | Decken/Schlafsack | 1/Person | ☐ |
| Wärme | Rettungsdecke/Biwaksack | 1/Person | ☐ |
| Hygiene | Feuchttücher, Desinfektion, Not-WC | 1 Set | ☐ |
| Medizin | Erste-Hilfe + Medikamente | 1 Set + 5 Tage | ☐ |
| Dokumente | Notfallordner + Bargeld | 1 + 50–100 € | ☐ |
Häufige Fragen
Warum genau 72 Stunden?
In fast allen realistischen Szenarien sind staatliche Hilfe und Infrastruktur nach etwa drei Tagen teilweise wiederhergestellt. 72 Stunden Eigenversorgung überbrücken genau diese Lücke.
Was kostet die komplette Vorsorge?
150–300 € für einen Zwei-Personen-Haushalt, verteilt über 4–6 Wochen an normalen Einkäufen. Vieles ist ohnehin im Haushalt vorhanden (Decken, Töpfe, Taschenlampe).
Wo lagert man alles am besten?
Alle Vorräte zusammen an einem Ort: kühl, dunkel, trocken, im Dunkeln ohne Strom erreichbar (Kellerschrank oder Vorratsschrank). Checkliste an der Lagerstelle aufhängen.
Welche Dokumente in den Notfallordner?
Ausweis-, Impf- und Versicherungskopien, Eigentums- und Kontonachweise, ärztliche Verordnungen, Kontaktdaten – in wasserdichter Hülle plus verschlüsseltem Digital-Backup.
Wie oft prüfen?
Zweimal jährlich zur Zeitumstellung: MHDs rotieren, Batterien und Radio testen, Wasser wechseln. 30 Minuten pro Halbjahr genügen.
Fazit
72 Stunden Eigenversorgung sind kein Prepper-Extremsport, sondern Hausverstand: Wasser, Essen, Licht, Information, Wärme, Dokumente – sechs Blöcke, 150–300 €, sechs Wochen Umsetzungszeit. Was du dafür bekommst, ist unbezahlbar: Im Blackout, beim Hochwasser oder beim Wintersturm bist du der ruhige Haushalt, der hilft, statt der Hilfesuchende. Starte heute mit Schritt 1 (Wasser – der billigste und wichtigste Posten) und arbeite die Liste in Ruhe durch. Wer tiefer einsteigen will, erweitert danach auf 10 Tage Notvorrat und packt den Bug-out-Bag für den Evakuierungsfall.
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